Freitag, 7. Oktober 2016

Wochenende 3 - Unter Deutschen



Hallo zusammen,


Es ist ja schon Oktober! Ich habe gar nicht bemerkt, wie schnell die Zeit vergeht. Außerdem ist von grauem Herbstwetter hier auch keine Spur. Den Oktoberanfang habe ich bei angenehmen 25 Grad und strahlendem Sonnenschein verbracht.

Am letzten Septembertag ist eigentlich nichts Aufregendes passiert. Freitags habe ich immer schon um drei Uhr frei, danach habe ich nur noch ein bisschen Schreibkram erledigt und meine Freizeit genossen. Am Samstag war ich endlich wieder in deutscher Gesellschaft. Morgens um 10 Uhr wurden meine Gastoma und ich von einer Familienangehörigen (die genaue Verwandschaftsbeziehung habe ich mal wieder nicht verstanden) abgeholt und in den Stadtteil Athlone gebracht. Dort wurde ich beim Haus der Gastfamilie von Laura, Laura und Betti abgesetzt. Die drei kenne ich von meinem Vorbereitungsseminar vom ICJA, auf dem ich Anfang August war. Sie absolvieren ebenfalls einen einjährigen Freiwilligendienst und sind schon seit Mitte August hier. Insgesamt befinden sich ungefähr 10 Freiwillige vom ICJA hier in Kapstadt, ich bin also doch nicht ganz allein. Mit Laura und Betti bin ich dann gegen 12 zu einem Second-Hand-Market in der Nähe gefahren. Dort gab es sehr viele schöne, gebrauchte Kleidungsstücke, und ich musste mir immer wieder in Erinnerung rufen, dass ich in einem Jahr meinen Koffer noch schließen können muss. Ein Teil habe ich dann aber doch gekauft, ein kariertes Hemd für 70 Rand. Das sind umgerechnet gerade einmal 3,50 Euro! Dazu gab es auf dem Markt auch sehr leckeres Essen. Zuerst hatte ich eine Falafeltasche (türkische Esskultur gibt es auch hier), und zum Nachtisch einen Möhrenmuffin – ohne Zucker. Ich muss ja hier auch manchmal auf meine Linie achten. Insgesamt habe ich den Tag sehr genossen. Es war schön, mal wieder mit vertrauten Personen unterwegs zu sein und sich über die vielen neuen Erfahrungen auszutauschen. 







Am Sonntag bin ich mit meiner Gastoma in die Kirche gegangen. Obwohl es eine katholische Kirche war, unterschied sich die Messe von den Messen in Deutschland und auch von den Messen in Rosy’s Kirche, bei denen ich bis jetzt war. Die Musik dröhnt lautstark über Lautsprecher und der Text wird auf eine Leinwand gebeamt. Zu schnellen Rhythmen wird Halleluja gebrüllt, und es singt auch wirklich jeder mit. So entsteht eine sehr lebendige Stimmung, die ich sehr genossen habe. Nach der Messe sind wir einkaufen gefahren. Ja, in Südafrika sind die Geschäfte auch sonntags geöffnet, zumindest in den großen Malls. Zitat von meiner Mama: „Dann ist Südafrika ja noch kapitalistischer als Deutschland!“ Den Weg zur Tokai Blue Route Mall haben wir dann im Minibustaxi zurückgelegt – sehr abenteuerlich. Minibustaxis sind kleine Bullis, die neben dem Fahrersitz über 14 Sitzplätze verfügen. Diese Kapazität wird aber durch quetschen und Kinder auf den Schoß nehmen auch gerne mal auf 20 Personen ausgeweitet. Eine Fahrt kostet 7 Rand, bei größeren Entfernungen manchmal an die 10. Doch selbst das sind umgerechnet gerade einmal an die 70 Cent, daran sollten sich die deutschen Nahverkehrsbetriebe mal ein Beispiel nehmen. Ob die Minibustaxis nach einem Fahrplansystem fahren habe ich noch nicht so durchschaut, aber es scheint zu funktionieren. So sind wir auch bald an der Mall angekommen. Man bekommt hier in Südafrika wirklich alles. Die Malls erinnern eher an die USA als an Europa und die Supermärkte, die sich eng aneinander reihen, sind riesig. Selbst importierte Lebensmittel sind nicht teuer. Es gab sogar deutschen Ketchup, deutsche Schokolade und Wiener Würstchen. Daran kann man mal wieder sehen, dass Südafrika ein sehr entwickeltes Land ist, in dem ich auch garantiert nicht verhungern werde. Als meine Gastoma dann nach drei Stunden foodshopping alles beisammen hatte, sind wir wieder mit dem Minibustaxi nach Hause gefahren. An dem Abend habe ich Spinatlasagne zubereitet, die großen Anklang gefunden hat. Vielleicht kann ich mir ja doch was auf meine Kochkünste einbilden.




In der letzten Woche gab es einige Begegnungen mit Personen, die mich berührt haben, und die ich gerne mit euch teilen würde. Die erste Person ist die Gastmutter von den drei deutschen Mädchen. Neben Laura, Laura und Betti wohnen noch zwei deutsche bei Mora. Trotzdem hat sie mir fast direkt in dem Moment, als ich herein gekommen bin, angeboten, doch auch mal dort zu übernachten. Obwohl sie mich im Prinzip gar nicht kannte, war sie sofort sehr gastfreundlich und fürsorglich. Es ist nicht selbstverständlich, jemand Fremden so ein Angebot zu machen, obwohl man schon fünf andere Volunteers bei sich wohnen hat, und ich weiß das sehr zu schätzen. Manchmal sind es so kleine Dinge, durch die ich mich hier in diesem Land willkommen fühle. Dazu gehört auch mein nächstes Erlebnis. Als ich mit meiner Gastoma im Supermarkt war, erhielt sie einen Anruf von ihrem Schwager. Der stand wohl grade vor ihrer verschlossenen Haustür, weil er etwas vorbei bringen wollte. So ist er kurzerhand zur Mall gefahren und stand wenig später neben uns am Obstregal. Zunächst gab er meiner Gastoma einige Dinge, dann drehte er sich zu mir und zog ein Buch mit einem braunen Ledereinband, auf das mein Name gedruckt war, aus seiner Tasche. Er hat früher als Buchbinder gearbeitet und tut dies zum Zeitvertreib nach seinem Renteneintritt immer noch. Ich habe diesen Mann in meinem Leben noch nie zuvor gesehen, und trotzdem hat er mir dieses Geschenk gemacht und an mich gedacht. Ich war den ganzen Tag noch sehr berührt und habe mich über diese Aufmerksamkeit wirklich sehr gefreut (auch wenn ich kurzerhand zu Kristin wurde – meinen Namen kann hier einfach niemand richtig aussprechen. Aber darüber kann ich wohl hinweg sehen.) Bei der letzten Begegnung, die mich diese Woche berührt hat, handelt es sich um eine Begegnung mit einer Frau aus der Nachbarschaft. Ihr Name ist Desiree und sie ist mit meiner Gastoma befreundet. Als ich am Dienstag von der Arbeit wieder kam, standen die beiden gemeinsam auf der Veranda. Nachdem wir uns begrüßt hatten, fragte sie ganz besorgt nach meinem Befinden. Ich versicherte ihr, dass es mir blendend ging. Daraufhin erklärte sie mir, dass sie einen Traum von mir hatte, in dem ich sehr krank war, und dass sie nun sichergehen wollte, dass es mir gut geht. Vielleicht werden das nun manche als abergläubisch abtun, aber ich will damit sagen, wie lieb und fürsorglich von dieser Frau es ist, extra deswegen vorbei zu kommen und sich nach meinem Befinden zu erkundigen. Auch sie kenne ich erst seit kurzer Zeit, und trotzdem ist sie um mich besorgt. Die Menschen begegnen mir hier mit sehr viel Wärme und Freundlichkeit, wodurch es mir sehr viel leichter fällt, mich einzugewöhnen.

So, jetzt habe ich schon wieder viel mehr geschrieben, als ich eigentlich wollte. Liebe Grüße aus Südafrika,

Kerstin

Sonntag, 2. Oktober 2016

Wochenende 2 - National Heritage Day



Hallo zusammen,





Direkt auf mein zweites Wochenende hier in Südafrika fiel ein wichtiger Feiertag für die Südafrikaner: National Heritage Day, oder auch National Braai Day genannt. Dieser ist immer am 24. September. Am Tag zuvor hat mich Glen, der Mann meiner Mentorin, abgeholt und ich habe das Wochenende in Strandfontein verbracht. Am Freitagabend haben die beiden mich netterweise mit zu einer Geburtstagsüberraschungsfeier von einem Mann namens Alec aus der Kirchengemeinde mitgenommen. Dort gab es sehr viel Essen, das hat mir sehr gut geschmeckt, und der Abend war generell sehr schön. 




Die Esserei ging am nächsten Tag direkt weiter. Der National Heritage Day wurde zum ersten Mal am 24. September 1995 gefeiert. An diesem Tag sollen die Menschen in Südafrika sich der vielen unterschiedlichen Traditionen in ihrem Land bewusst werden und sie zelebrieren. Durch eine Werbekampagne im Jahr 2005 wurde die Tradition des „Braais“ an diesem Tag eingeführt. Braais sind Barbecues, bei denen sehr viel Fleisch gegrillt wird. Neben dem leiblichen Wohl steht aber der soziale Aspekt im Vordergrund. Ich war am National Braai Day bei einem Familien-Braai zusammen mit meiner Gastoma in Strandfontein. Leider war es noch sehr kalt, sodass man auf die Dauer draußen doch gefroren hat. Gegen Abend haben wir noch Spiele zusammen gespielt: Zuerst 30 seconds, das ein wenig wie Tabu funktioniert. Man muss innerhalb von 30 Sekunden möglichst viele Begriffe erklären, die das Team erraten muss. Das artet dann meistens in Geschrei aus, weil jeder den Anderen übertönen will. Im Anschluss daran haben wir noch Jenga gespielt, wo ich dank langjährigem Training mit Mama ungeschlagene Siegerin wurde. 






Am nächsten Morgen bin ich wieder mit in die Kirche gegangen. Dort habe ich meine Mentorin Rosy, die die Orgel spielt, mit meiner Flöte begleitet. Das Spielen habe ich doch noch nicht ganz verlernt. Außerdem hat die Kolpingfamilie an dem Tag Bacon and Egg Rolls, also Brötchen mit Schinken und Ei, verkauft. Dort habe ich erst bei der Zubereitung und später beim Verkauf geholfen. Ich muss ja meiner Bäckerkarriere weiter führen. Allerdings wären meine ehemaligen Mitarbeiterinnen in Deutschland wohl sehr entsetzt über die Brot- und vor allem Brötchenvarietät hier in Südafrika: Meistens findet man nicht ein einziges Körnchen anderes Getreide als Weizen in den Produkten. Ich muss zugeben, dass mir das doch ein bisschen fehlt. Ein schönes, körniges Brötchen mit Frischkäse… Über das Essen hier würde ich aber gerne noch einen separaten Blogpost machen. Am Sonntagmittag sind Rosy, Glen und ich dann nach Belleville im Norden von Kapstadt zu deren Tochter und ihrem einjährigen Sohn gefahren. Zunächst gab es Mittagessen (schon wieder Essen), und danach sind mir nach Milnerton gefahren. Dort gibt es fast direkt am Strand einen großen Flohmarkt, und beim Stöbern hat man einen wunderbaren Blick auf den Tafelberg. Dieser Blick wird vom Milnerton Beach sogar noch getoppt. Beim Sonnen kann man neben dem Tafelberg auch noch Robben Island und die Victoria & Alfred Waterfront bewundern. Der Wettergott meinte es an dem Tag auch gut mit uns, bei 25 Grad konnten wir das Wochenende am Strand ausklingen lassen, bis es dann für mich gegen Abend wieder nach Seawinds ging, um genügend Schlaf für die neue Arbeitswoche zu bekommen.











Ich muss sagen, ich fühle mich immer wohler hier. Die Zeit ist rasend schnell vergangen, und ich kann kaum glauben, dass ich schon drei Wochen hier bin, am nächsten Sonntag ist schon der erste Monat vorbei. Auch mein Heimweh ist weniger geworden. Ich bin nur immer sehr müde, wenn ich von der Arbeit komme, da ich teilweise über 10 Stunden am Tag im Projekt bin. Das macht aber nichts, denn die Zeit dort vergeht immer sehr schnell. Mit den Kindern komme ich auch gut klar, wir haben uns mittlerweile angefreundet. Die sind aber auch immer unglaublich süß und stellen mir unzählige Fragen. So werde ich zum Beispiel immer gefragt, wieso meine Haare so lang und so glatt sind. Diese dienen auch häufig als Spielzeug und ich bekomme verrückte Frisuren verpasst. Es gibt aber auch Momente, die mich zum Nachdenken bringen. Die Kinder wollen immer, dass ich sie an der Hand halte, wenn sie über eine Reihe Autoreifen balancieren, die rund um die Spielfläche bei Mothers Unite angelegt ist. Ein Mädchen rennt immer sehr schnell, und ich habe aus Spaß gesagt, sie solle doch bitte nicht so rennen, ich sei doch schon alt. Daraufhin sah sie mich an sagte Folgendes: „Aber du bist doch weiß! Weiße Menschen können nicht alt werden.“ Im ersten Moment war ich zu verblüfft, um darauf zu antworten, doch als ich später versucht habe, sie vom Gegenteil zu überzeugen, beharrte sie auf ihrer Meinung. Als ich darüber nachgedacht habe, ist mir klar geworden, dass bestimmte Bilder, die während der Kolonialzeit erzeugt wurden, immer noch in den Köpfen der Menschen vorhanden sind. Das ist angesichts der Tatsache, dass wir alle durch die Globalisierung schon viel enger zusammen gerückt sind, schon erschreckend. Ich weiß, dass ich hier vermutlich nicht alle Menschen von ihren Vorurteilen abbringen kann, aber selbst wenn ich es nur bei einer einzigen Person schaffe, würde diese Person vielleicht schon mit offeneren Augen und unvoreingenommen in die Welt hinaus gehen und ihren Teil zu einer guten Verständigung zwischen allen Nationen beitragen.




So, das war’s jetzt auch mit meiner Moralpredigt. Liebe Grüße an alle im kalten Deutschland. Hier sollen es übrigens morgen 27 Grad werden, nicht, dass ich euch jetzt neidisch machen will…




Kerstin

Donnerstag, 29. September 2016

Heimweh



Hallo zusammen,


Heute möchte ich über ein ernstes Thema schreiben, das aber bei Auslandsaufenthalten immer mit dazu gehört: Heimweh. Auch ich leide hin und wieder unter dieser „Reiselustigenkrankheit“ und würde gerne  meine persönlichen Erfahrungen, die ich in den ersten drei Wochen hier in Südafrika gemacht habe, mit euch teilen.
Bei mir habe ich festgestellt, dass sich die Momente, in denen ich Heimweh habe, in zwei Gruppen unterteilen lassen:
 
Momente, in denen ich Dinge sehe, tue oder erlebe, die mich an zuhause erinnern


Dabei handelt es sich häufig nur um Kleinigkeiten, die ich auf eine bestimmte Art und Weise mit der Heimat und besonders den Menschen dort verbinde. Wenn ich bei der Arbeit Paprika schneide, denke ich an meine Mama und wie wir zusammen kochen. Wenn ich Geschirr abtrockne, denke ich an zwei Jahre arbeiten in einer Bäckerei und den tausenden von Blechen und Tellern, die ich dort abtrocknen musste. Wenn ich bei „wordworks“ Worte mit den langsameren Lernern buchstabiere, denke ich an Englisch- und Französischnachhilfestunden nach der Schule. Wenn ich sonntagmorgens in der Kirche Flöte spiele, denke ich an die zweieinhalb Stunden Orchesterprobe jeden Montag. Wenn ich meine Mentorin Rosy „Memories“ auf dem Klavier spielen höre, denke ich an eine bestimmte Freundin und mich, wie wir beim Chor immer darum gebettelt haben, dieses Lied zu singen. Wenn ich eine Katze auf der Gartenmauer liegen sehe, denke ich an meine Katze, die grade bestimmt wieder hungrig vor der Kühlschranktür steht. Wenn ich mit zu Familientreffen genommen werde, denke ich an meine eigene Familie, mit der ich vor gut vier Wochen noch am Kaffeetisch gesessen habe. Wenn ich im Computerlab helfe, denke ich an meinen Papa, wie er mir als kleines Kind Dinge an seinem Computer gezeigt hat. Wenn meine Gastoma eine ihrer Serien im Fernsehen schaut, denke ich an meine Oma, die auf gar keinen Fall die nächste Folge Shopping Queen verpassen will. Und wenn ich drei kleine Mädchen im Center zusammen spielen sehe, denke ich an meine Kindheit mit meinen beiden besten Freundinnen. Diese Liste könnte ich jetzt noch um einiges ergänzen. Meistens wird man ganz unerwartet von seinen Erinnerungen eingeholt, die man mit dem Moment verbindet, und das Heimweh flammt mal leicht und auch mal stärker auf.

Momente, in denen ich von Dingen erfahre oder an Dinge denke, die zuhause passieren, bei denen ich nicht dabei sein kann

Im Moment stehen da in erster Linie Geburtstage. Ich habe bereits drei Geburtstagsfeiern verpasst, seit ich hier bin, und am Wochenende folgt die nächste. Da es auch noch die meiner besten Freundin ist, löst die Vorstellung besonders starkes Heimweh aus. Dann sind da das jährliche Weihnachtskonzert vom Orchester und „Weihnachten 21“ vom Chor (Schleichwerbung), die ich verpassen werde. Ich mag mir auch noch gar nicht vorstellen, wie es mir gehen wird, wenn jeder am ersten Novemberwochenende über den Martinimarkt schlendert und gebrannte Mandeln knabbert, und ich hier vermutlich bei 30 Grad sitze und mir kalte Luft zu fächern muss. Ein bisschen weiter entfernt ist noch der Abiball meiner besten Freundin, bei dem ich so gerne mit am Tisch sitzen würde. Oder der Geburtstag meiner Oma, an dem meine ganze Familie zusammen brunchen geht. Alles Dinge, für die ich gerne mal eben rüber fliegen würde. Aber natürlich geht das leider nicht.

Das klingt jetzt alles so, als wäre ich viel lieber in Deutschland als in Südafrika, und manch einer fragt sich vielleicht: Wieso macht sie dann überhaupt ein Auslandsjahr? Ja, das frage ich mich in der Tat auch manchmal. Aber zum Glück wirklich nur manchmal. Es gibt gute und schlechte Tage. Heute zum Beispiel hatte ich einen wirklich produktiven und schönen Tag im Projekt und fühle mich super, aber schon morgen könnte es wieder anders sein. Das wichtigste ist, darüber mit jemandem zu sprechen, denn meistens ist es gar nicht so schlimm, wie man denkt. Man darf nie vergessen, dass man auch in Deutschland mal schlechte Tage hat, an denen man den Kopf nur unter die Bettdecke stecken und nichts tun möchte. Die gibt es auf der anderen Seite der Erdhalbkugel auch, und auch hier gehen sie vorüber. Im Fazit müssen die guten Tage, die positiven Erlebnisse und die Erfahrungen fürs Leben, die man hier sammelt, überwiegen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das bei mir auch so sein wird.

Noch ein müder Gruß von mir (Schlafen hilft übrigens auch ganz gut gegen Heimweh, denn am nächsten Morgen sieht die Welt meistens schon wieder ganz anders aus),

Kerstin

PS: Noch was vergessen – Aline bekommt wegen ihres Visums wahrscheinlich bis zum 7. Oktober Bescheid. Wenn alles gut geht, ist sie dann schon am 12. Oktober hier in Südafrika. Das wäre sooo schön…

Samstag, 24. September 2016

Wochenende 1 - Cape Point/Kap der Guten Hoffnung

Hallo ihr Lieben,

Heute möchte ich euch von meinem ersten Wochenende in Südafrika erzählen. Vom 16. bis zum 18. September war ich bei meiner Mentorin Rosy zuhause. Sie wohnt in Strandfontein, das ist in der Nähe vom bekannten Surferstrand Muizenberg. Am Freitagabend haben wir nett zusammen gegessen und geredet. Samstag konnte ich dann ausschlafen. Zur Arbeit muss ich zwar erst um 7 aufstehen, aber es war mal ganz schön, nicht vom singenden Muezzin im Viertel um halb sechs Uhr morgens (!) aufgeweckt zu werden. Rosy hat dann entschieden, an dem Tag mit mir nach Cape Point zu fahren. Cape Point diente ab 1859 den Seefahrern als Orientierungspunkt, da es der südwestlichste Punkt des afrikanischen Kontinents ist. Auch vorher war es schon als "Cape of Storms", Kap der Stürme, bekannt, da viele Schiffe aufgrund des wilden Seegangs dort gekentert sind. Heute ist es eine Art Nationalpark mit einer großen Vielfalt an Pflanzen und Tieren. So habe ich an dem Tag zum Beispiel Affen, Salamander und Strauße gesehen. 














 Am Samstagmorgen waren wir außerdem noch kurz in Simonstown am Boulders Beach. Das ist ein Strand mit vielen großen, runden Steinfelsen. Dort gibt es Pinguine! Abends waren wir an der Kalk's Bay. Dort habe ich dann noch Seelöwen gesehen, die dem Tag die letzte tierische Note gaben.





Am Sonntag war ich mit meiner Mentorin in der Kirche. Das hat mir wirklich gut gefallen, da die Messe musikalisch sehr lebhaft gestaltet war. Nach der Messe sind alle Besucher noch ein wenig geblieben und haben sich unterhalten, so konnte ich auch viele Menschen hier kennen lernen. Später war ich noch auf einem Flohmarkt in Muizenberg, der mich sehr überwältigt hat. Dort konnte man alles kaufen, von Essen über Kleidung zu Hygieneartikeln und so weiter. Eigentlich war es eher wie ein richtiger Markt, und es waren sehr viele Menschen da. Ansonsten war ich an dem Tag nur noch ein wenig am Strand. Den Muizenberger Strand nennt man auch "Surfer's Corner", da dort besonders gute Bedingungen zum surfen herrschen. Außerdem ist der Strand bekannt für seine bunten Badehäuschen.






Am späten Nachmittag ging es dann nur noch zurück nach Seawinds zu meiner Gastoma. Mir hat es sehr gut getan, am ersten Wochenende direkt ein wenig rauszukommen und das Land zu entdecken. Ich habe immer noch Heimweh und vermisse zuhause, obwohl es schon ein bisschen besser geworden ist, aber so war der Tag eine willkommene Ablenkung. Ansonsten geht es mir gut, ich bin immer noch dabei, mich einzugewöhnen. Einen Surfstick für meinen Laptop habe ich leider noch nicht bekommen können, also weiß ich noch nicht, wann die nächsten Bilder kommen, aber ich werde fleißig mit dem Handy und meiner Kamera unterwegs sein und Eindrücke sammeln.
Sonnige Grüße aus Kapstadt, morgen sollen es sogar 26 Grad werden! Summer is back...
Kerstin

Donnerstag, 22. September 2016

Alles Gewöhnungssache

Hallo ihr Lieben,

Hier nur ein kleiner Post von der anderen Seite der Erde, um euch wissen zu lassen, dass es mir gut geht. Ich bin fleißig dabei, mich einzugewöhnen - und es gibt wirklich viel, was anders ist als zuhause.
Zunächst einmal die Sprache: Erste Amtssprache in Südafrika ist zwar Englisch, hier in meinem Viertel und auch auf der Arbeit wird aber sehr viel Afrikaans gesprochen. Das ist eine Mischung aus Holländisch und Englisch. Man versteht also manche Wörter, aber wenn die Leute schnell sprechen eher weniger. Mal schauen, ob ich während der Zeit hier lernen kann, es zu sprechen oder wenigstens zu verstehen.
Wo ich mich außerdem dran gewöhnen muss, sind die anderen Lebensumstände. Ich wohne hier nicht im Top-Villenviertel mit Ausblick auf den Ozean, das muss man einfach so sagen. Wenn ich die Straße weiter runter gehe, befindet sich auf der rechten Seite ein "informal settlement", also eine Siedlung aus Wellblechhütten. Ich kann sehen, wie wenig die Menschen dort haben und wie sie leben. Das schockiert mich schon immer noch, aber es ist nicht mehr so schlimm wie am Anfang. Traurig aber wahr: Auch daran gewöhnt man sich.
Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist das Essen. Ich werde hier zwar nicht verhungern , auf gar keinen Fall!, aber es werden eben andere Sachen gegessen als zuhause. Leider sehr viel ungesundes Zeug, ich vermisse zum Beispiel mein schönes, dunkles Brot, anstelle dessen es hier Weißbrot oder ähnliches gibt. Glücklicherweise gibt es aber sehr viel Obst, in der Hinsicht bin ich im siebten Himmel. Meine neuen Lieblingsfrüchte sind Guavas, ansonsten gibt es viele Papayas, Orangen, Grapefruits, Erdbeeren, Himbeeren, Bananen und und und. Ich versuche diese so gut es geht in meinen Speiseplan zu integrieren, wollte dann doch nicht als Kugel wieder kommen...
Ansonsten muss ich nochmal erwähnen, wie schade es ist, dass meine Mitfreiwillige Aline immer noch nichts bezüglich ihres Visums gehört hat. Ich bin somit sehr alleine hier, und bis jetzt konnte ich noch keine Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen. Leider ist meine Bewegungsfreiheit hier auch etwas eingeschränkt, deswegen ist das alles nicht so einfach. Ich hoffe aber, dass ich mich mit der Zeit einfach daran gewöhnen und andere Wege finde, neue Freunde zu finden und Dinge zu unternehmen.
Noch eine letzte Anmerkung: Ich kann hier über das Handy keine Bilder hochladen und habe kein WLAN, um Blogposts mit dem Laptop zu machen. Dieses Wochenende bin ich bei meiner Mentorin und kann hoffentlich ein bisschen was hochladen vom letzten Wochenende. Außerdem versuche ich mir einen Surfstick zu besorgen, damit ich auch unter der Woche ein paar Bilder mit euch teilen kann.

Ansonsten liebe Grüße an alle,
Kerstin

Dienstag, 13. September 2016

Angekommen !

Hallo aus Südafrika - endlich !

Ich bin jetzt seit Sonntag hier in Kapstadt und mir geht es sehr gut hier. Ich bin noch total überwältigt von den ganzen neuen Eindrücken und den vielen Unterschieden zu meinem Leben vor Südafrika. Aber ich fange von vorne an:

Zu allererst möchte ich mich noch einmal bei meinen lieben Freunden bedanken, die am Donnerstag vor meiner Abreise bei mir waren und mir die schönste Abschiedsfeier und den schönsten 18. Geburtstag bereitet haben, den ich mir vorstellen kann. Ich bin froh, dass ich euch alle habe (auch wenn ihr ein paar tausend Kilometer weg seid). Um es mit den Worten meines Vaters zu sagen : ich habe echt tolle Freunde !

Am Samstag haben mich dann meine Eltern nach Frankfurt zum Flughafen gebracht und um 8 Uhr abends startete mein Flieger nach Istanbul. Dort sollte ich eigentlich um 12 Uhr türkischer Zeit ankommen und mein nächster Flug von Istanbul nach Kapstadt ging um 1:15 nachts. Leider hatte mein erster Flieger dann aber Verspätung, sodass ich erst um zwanzig vor 1 in Istanbul war, das Boarding hatte seit zwanzig Minuten begonnen. Dazu kam, dass die Frau am Checkin-Schalter in Frankfurt nicht wusste, an welchem Gate ich in Istanbul zu meinem Flugzeug kommen würde. Also folgte auf all dies um viertel vor eins ein abenteuerlicher Sprint von Kerstin Bolt samt dicker Winterjacke, Laptop und Kuscheltier durch den istanbuler Flughafen, der dazu noch voll von Menschen war, damit sie beim last call noch ihren Flieger bekam, der sie zum Abenteuer Südafrika brachte. So ist zum Glück alles gut gegangen. Naja, nicht ganz. Am nächsten Tag um viertel vor zwei landete ich in Kapstadt. Als ich dann nach der knapp 18-stündigen Reise endlich mein Gepäck entgegen nehmen wollte, musste ich leider feststellen, dass dieses in Istanbul wohl nicht mit mir zum Flieger gesprintet ist, sondern gerne noch ein bisschen am Bosporus verweilen wollte. So stand ich hier in Kapstadt voller Abenteuerlust und Motivation , aber leider ohne Anziehsachen und Omis Zartbitterschokolade für schlechte Zeiten. Meine Mentorin, Rosy, hat mich dann vom Flughafen abgeholt und ich bin nicht wie ursprünglich geplant direkt zu meiner Gastoma gefahren , sondern habe eine Nacht bei Rosy in Strandfontein übernachtet. Dort habe ich mich aber sehr wohl gefühlt obwohl alles neu war, und ich habe direkt viele Leute kennen gelernt, die sich für Kolping hier in Kapstadt engagieren. 

Am Montag konnte ich also ausschlafen und bin noch nicht in mein Projekt gegangen. Dann habe ich in Ruhe mit Rosy gefrühstückt und wir sind zusammen mit ihrem Mann Glynn in eine Mall gefahren, da sie Einkäufe machen wollte. Dort habe ich mir dann auch direkt eine südafrikanische SIM gekauft, die mir noch viele Sorgen bereitet hat... Aber dazu später mehr. Dann haben wir beim Flughafen angerufen - und Gott sei dank war mein Gepäck schon mit dem nächsten Flieger nachgeschickt worden und ich konnte es dann am Flughafen abholen. Also musste ich doch nicht eine Woche lang das gleiche Tshirt anziehen. Gegen 6 Uhr bin ich dann zu meiner Gastoma Ma Pinn gebracht worden - und sie ist wirklich sehr nett und kümmert sich um mich. Ich wohne hier ganz nah an meinem Projekt, ich kann es vom Fenster aus sehen und brauche echt nur 2 Minuten, um hinzulaufen. So, jetzt zurück zu meiner SIM - Karte. In freudiger Erwartung schaute ich dann abends auf mein Handy und wartete auf Nachrichten aber konnte einfach keine empfangen. Es wurde zwar oben angezeigt, dass ich Internet habe, aber ich konnte aus was für Gründen auch immer nicht darauf zugreifen. Das hat mich dann schon ziemlich fertig gemacht, da ich doch gerne meine Eltern erreichen wollte, und über die deutsche SIM ist das Internet auf Dauer wirklich zu teuer. An dem Abend endete es dann doch damit, dass ich die deutsche SIM wieder einlegte um irgendwie meine Eltern zu kontaktieren. Danach ging es mir aber auch wieder besser und ich konnte nach dem langen Tag wirklich gut schlafen, auch wenn alles neu und anders war:

Heute, am Dienstag, war ich dann das erste Mal bei Mothers Unite. Darüber werde ich jetzt nicht ausführlich berichten, dazu möchte ich lieber einen separaten längeren blogpost machen, wenn ich schon eine Zeit da war. Mein erster Eindruck ist aber sehr positiv, die Mothers sind alle sehr nett und haben mich herzlich aufgenommen. Auch die Kinder sind sehr lieb, aber ich habe noch nicht alle getroffen , da heute nur für die langsameren Lerner classes waren. Morgen kommen aber alle Kinder, und ich freue mich schon sehr darauf. Außerdem habe ich mit meinem sehr ausgeprägten technischen Fähigkeiten (haha) meine SIM-Karte davon überzeugt, mich endlich mit dem Internet und somit mit allen Menschen in Deutschland zu verbinden. Da ist mir wirklich ein Stein vom Herzen gefallen ! Natürlich sollte man nicht so abhängig vom Internet sein, aber wenn man so weit von zuhause weg ist, ist man doch froh, wenn man zumindest so in Kontakt bleiben kann.

Insgesamt geht es mir also sehr gut hier und ich fühle mich auch relativ wohl, obwohl es natürlich immer dauert, bis man sich wirklich an alles gewöhnt hat. Ich vermisse meine Familie und Freunde und denke sehr oft an sie. Durch mein endlich funktionierendes Internet hat sich meine Gefühlslage aber auch definitiv gebessert. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich ein bisschen alleine fühle, da meine Mitfreiwillige Aline ihr Visum leider nicht mehr rechtzeitig bekommen hat und ich somit jetzt die einzige Deutsche im Projekt und im Viertel bin. Ich hoffe, dass sie schnell noch ihr Visum bekommt und wir dann zusammen auf Entdeckungstour hier im schönen Südafrika gehen können.

Ich melde mich bald wieder und lasse euch alles wissen, was ich hier so erlebe.
Grüße aus Südafrika (ach, klingt das schön),
Kerstin